Vorortleichen
Ich sitze im Bus und und schaue gelangweilt aus dem Fenster. Von einem der äußeren Dörfer muss ich in die Innenstadt Augsburgs. 2mal umsteigen muss ich auch. Und dabei beobachte ich die üblichen Zonen.
Dorf, keine 5 Stationen und ich bin umgeben von Feldern. Viele Felder. Das schönste im Moment, ein Blumen-zum-selber-schnippeln-Feld. Dahinter eine Kleingartensiedlung. Und man lese und staune, da folgt ein langgezogener Golfplatz. Immerhin.
Ging doch schneller als ich dachte, wir sind gerade am Rand eines größeren Stadtteils angekommen. Erst kommen die Häuser. Viele, je weiter wir reinfahren, desto mehr Familien haben pro Haus Platz. Und weil das ein großer Stadtteil ist und in der Nähe eine Klinik ist, gibt es hier einige Geschäfte. Ein Sportgeschäft, 2 Schuhgeschäfte, 2 Bäckereien, Apotheken, ein Eiscafé und einige andere.
Aber dazwischen sieht es immer wieder traurig und trostlos aus. Erstaunlich viele Geschäfte liegen brach. In alten, vom Schmutz braun gewordenen, ehemals beleuchteten Lettern steht an der einen Häuserwand “BÄCKEREI”. Drunter ist an der Glasscheibe, trüb vom Staub, noch ein alter Schriftzug zu lesen, der im gleichen Geschäft einen Schuster verkündet, allerdings teilweise abgekratzt. Und drinnen? Staub, abgebrochene Holzlatten, Leere.
Auf meiner Fahrt in die Stadtmitte sehe ich nicht nur eines dieser toten Geschäfte. Es werden immer mehr. Die Konditorei, die vorübergehend ein Kosmetikstudio war und jetzt ein Lagerraum für verschiedene Staub- und Holzarten ist. Die kleine Boutique, die den größeren internationalen Geschäften weichen musste. Ich wünschte irgendjemand würde was aus dem leerstehenden, verschenkten Platz machen. Aber die Vermieter/Verkäufer verlangen vermutlich dieselbe Miete wie früher, die man mit Strom- und Heizkosten bei der Lage nicht mehr zahlen kann. Und so wird auch niemand kommen.
Opfer der wachsenden Zivilisation könnte man sie nennen.
Ich drehe meinen Kopf und schaue mir auf der anderen Seite den Friseur mit den lustigen Perücken, das Eiscafé, vor dem die Omis sitzen und Kaffeeklatsch halten und das Nagelstudio an, das Bilder im Schaufenster hat, bei denen die Nägel so groß sind, wie mein ganzer Kopf.
