Archive for the Gesundheit category
November 15th, 2008
Eigentlich merkt man es schon seit Ende September aber jetzt langsam kann man auch vernünftigerweise sagen, dass die Vorweihnachtszeit begonnen hat.
Das nicht nur wegen den Lebkuchen im Geschäft, den Weihnachtsbäumen an vielen Ecken und dem langsam aber sicher zunehmenden Weihnachtsglitzerfunkelschmuck an den Kaufhäusern der Innenstadt. Nein, man kann es auch an den Plakatwänden beobachten. Denn Weihnachten ist die Zeit der Spendenaufrufe.
Weil die Menschen spendefreudiger sind. Die Jahreszeit bringt es irgendwie mit sich, dass die Menschen mehr nachdenken und Anderen helfen wollen.
Aber gerade im Moment kann man auch viele soziale Aufrufe beobachten. Aufrufe zu mehr Toleranz (“Achten statt ächten“), zu mehr Chancengleichheit (“Chancen spenden“), Aufrufe Aids nicht zu vergessen (“Welt-Aids-Tag“) und zu meiner wirklichen Freude inzwischen auch einige Plakate, die sich mit der Organspende befassen.
Und so bin ich gestern am Bahnhof über ein solches Plakat gestolpert. Ich bin in meinen Zug eingestiegen und entdeckte das Plakat auf der anderen Seite. Und ich hab es fotografiert (dank meines neuen Handys, mit dem ich auch endlich Fotos schießen kann)

Made my day
November 10th, 2008
Vor längerem war ich mal wieder beim Arzt. Kommt bei mir ja öfter vor. In der besagten Arztpraxis arbeiten 5 oder 6 Ärzte im abwechselnden Rhythmus. Ich brauchte eigentlich nur Nachschub von einem Medikament. Also rufe ich an, sage ich möchte ein Rezept für Medikament xyz und komme in zwei Stunden vorbei. Ich hatte zufällig einen Tag erwischt an dem meine betreuende Ärztin nicht da war. Aber es sind ja genügend andere anwesend. Und so kam ich dann an, ordnungsgemäß Karte und Überweisung eingereicht und wartete darauf das Rezept zu bekommen. Nach ca. 10min doof am Empfangstresen stehen, rief mich eine Arzthelferin zu sich und führte mich in die “Katakomben”, wie ich sie liebevoll nenne.
Kleiner Einschub dazu. Diese Arztpraxis ist irgendwie toll aufgebaut. In der Mitte das Wartezimmer, drum rum ein dünner Gang (eigentlich sollte der gerade sein, aber so oft hab ich selten abbiegen müssen). Und an diesem Gang gehen nach außen hin die Arztzimmer, Büros und Behandlungszimmer ab. Recht einzigartig.
Der Arzthelferin folgte ich in eben diesen Gang. Links, rechts rechts, links, an der offen Tür zum Aufenthaltsraum vorbei (lecker Frühstück hatten die da stehen), rechts und nochmal links und dann hielten wir an einer kleinen “Parkbucht” Da stehen ein Computer und versch. Drucker um Rezepte, Diagnosen und sowas auszudrucken. Zentral für alle Ärzte. Da wurde ich stehen gelassen und sollte warten. Und wartete. Konnte zuhören, wie im Behandlungszimmer nebenan ein Arzt mit einem Patienten reden. Nach einiger Zeit, die mir wesentlich länger vorkam als sie vermutlich war und in der ich mich mehrmals gegen die Wand drücken musste, weil jemand vorbei wollte (erwähnte ich, dass der Gang echt eng ist), kamen Arzt und Patient raus. Auch der Patient brauchte ein Rezept. Nachdem das abgehandelt war, wendete er sich mir zu (endlich!!) .
Er unterschrieb das Rezept und erkundigte sich, ob alles okay sei bei mir, was ich bejahen konnte. Er meinte, dass ich das Medikament schön regelmäßig morgens und abends nehmen solle. Als ich sagte, dass abends völlig ausreichend ist, war er schon ziemlich verdutzt. Er meinte dann noch, ich solle mal wieder zur Kontrolle kommen und sein Gesicht, als ich ihm sagte, dass die letzte erst 2 Monate her ist, war echt nicht zu toppen
Der Kerl war wie ein lebendig gewordnener Standardbrief. Ich versteh es schon, dass die Ärzte versuchen so wenigstens ein Mindestmaß an Kontrolle reinzubekommen. Aber für mich, die ich den Umgang mit Ärzten doch schon gewohnt bin, war das ganze nur sehr lustig
November 1st, 2008
Freundin M. hat mich darauf aufmerksam gemacht und ich dachte mir, ich gebs gleich mal an meine Leserschaft weiter.
Prototyp für neues Kunstherz weckt Hoffnung
Ich freu mich über solche Innovationen. Es wird zwar noch einige Jahre dauern, bis das ausgereift ist, aber es zeigt doch für die Zukunft einen Ausweg aus der Spenderproblematik. Es gibt soviele Menschen die auf ein Organ warten und zu wenig Menschen, die bereit sind ein Organ zu spenden. Damit meine ich nicht diejenigen, die sich bewusst dagegen entschieden haben. Deren Meinung respektiere und akzeptiere ich. Ich meine die Menschen, die sich nach Auseinandersetzung mit dem Thema Organspende dafür entscheiden würden. Nur leider haben sie sich damit noch nicht beschäftigt.
Ich möchte auch noch dazu sagen, dass ich froh bin über jeden Menschen, der nicht stirbt!
So ein Kunstherz würde es allerdings ermöglichen viel mehr Leute zu retten. Und auch wenn der Gedanke jetzt noch seltsam ist, ein Kunstherz in sich zu tragen (ein Schritt näher am menschlichen Roboter), dann denkt mal an künstliche Hüften und Kniegelenke. Wer hätte sich das vor einigen Jahrzehnten vorstellen können?
August 27th, 2008
Heute ist es soweit. Ich hab ein Jubiläum zu feiern. Keine Angst, ich werd nicht erst 15 (Mitlesende werden wissen, dass ich 22 bin).
Aber heute ist es auf den Tag genau 15 Jahre her, dass ich mein neues Herz bekommen habe.
Ich war erst 7 Jahre alt und kann mich an vieles auch nicht mehr erinnern, aber es gibt so Momentaufnahmen, die ich dazu noch in meinem Kopf habe.
Z.B. hatten meine Mum und ich Pizza bestellt. Für mich als 7jährige eh was aufregendes und ich war auch erst wenige Wochen aus dem Krankenhaus zurück. Die hatten erst Lieferprobleme und unsere Pizza kam später als erwartet. Gerade hatte ich mir ein Stück rausgeschnitten und auf der Gabel, da klingelte das Telefon. Und irgendwie hielt ich mit der Gabel inne und wartete erst mal drauf, wer der Anrufer war. Und dreimal dürft ihr raten. Es war das Krankenhaus, die haben ein Herz für mich.
Gutwar in dem Fall, dass ich so gut wie nüchtern ins Krankenhaus gekommen bin, das hätte wesentlich schlimmer sein können.
Ein weiteres Bild, das ich bei der Sache im Kopf habe, ist wie ich damals mit meiner Mum in unserem Mietshaus im Foyer stand und wir auf den Krankenwagen gewartet haben. Irgendwie wurden nämlich die bayrischen Rettungsdienste benachrichtigt (wir wollten ins Krankenhaus nach München), die fanden sich aber nicht zuständig, da wir in Ulm einem Ort in Baden-Württemberg wohnten. Hatten es aber auch nicht nötig den BaWülern Bescheid zu sagen. Die Tochter einer Nachbarin wartete mit uns da unten. Und irgendwie haben wir es dann doch noch rechtzeitig geschafft.
Nächstes Bild. Ich liege auf einer kalten Trage und die schieben mich durch die weißen sterilen Gänge zu den Voruntersuchungen (Größe, Gewicht, Blut abnehmen, Zugang legen usw.). Und ich hab den Lieblingsteddy von meinem Bruder mit. “Ted” hieß der. Ich weiß gar nicht ob er ihn noch hat.
Nächstes und letztes Bild. Die heben mich durch eine Art Durchreiche. Alles ist irgendwie weiß und klinisch silbern. Ich hab nur noch so ‘nen olles Krankenhaushemd an. Die Leute, die mich “in Empfang nehmen” trugen glaube ich weiße Kittel und hatten alle noch ihren Mundschutz auf. Der Teddy kam auch mit in den OP.
Meine nächsten Erinnerungen sind glaube ich ein paar Tage später. Ich höre Stimmen (Meine Mum, mein Vater, Ärzte, Schwestern, ich kann es nicht identifizieren. Ich schiebe meine Augenlider mit meinen Händen auf, alleine haben die noch nicht die Kraft. Ich mein, meinen Vater und meine Mutter gesehen zu haben, aber genau kann ich mich nicht erinnern. Aber der Teddy hat genauso einen Bauchverband, wie ich habe.
August 23rd, 2008
Ich war mal wieder unterwegs in Sachen Medikamenten. Hab meine übliche Portion für ca. 4 Monate geholt. In der Apotheke meines Vertrauens.
Mit Apotheken ist das so eine Sache. Braucht man nur eine Kleinigkeit sind sie austauschbar. Da ist eine wie die andere. Holt man aber mehr auf einmal oder regelmäßig etwas, finde ich es ganz praktisch eine Stammapotheke zu haben. In Ulm hatte ich so eine, in Augsburg stand ich vor 3 Jahren vor der Aufgabe mir eine neue zu suchen. Relativ lange hab ich einfach die genommen, die bei meiner Ärztin in der Nähe ist, einfach weil ich mir so einen Weg sparen konnte. Meine Ärztin zieht aber bald woanders hin und für alle anderen Medikamentenbesorgungen war die alte auch nicht so praktisch, da die doch weit außerhalb lag.
So stand ich wieder vor dem Problem neue Apotheke. Aber das Angebot ist groß und es dauerte nicht lange, bis ich in der Stadt der mürrischen Menschen eine Apotheke fand, die mir gefiel, v.a. auch weil Mitarbeiter immer motiviert und nett schienen und auch beim nervigsten, alten Mütterchen freundlich blieben.
Und heute war ich das zweite Mal dort um meine Großportion abzuholen. Und ich hab die gute Dame heillos überfordert.
Als erstes der Hinweis, dass das Rezept nicht ganz richtig ist. Der Arzt muss jetzt ein Ausrufezeichen hinter das einzelne Medikament machen, wenn die Menge von der gebräuchlichen Menge abweicht um zu beweisen, dass der/die Arzt das bemerkt hat
Was die sich alles ausdenken
Aber egal, werds mal meiner Ärztin ausrichten, die darf sich drüber ärgern.
Sie hat dann angefangen alles durchzuzählen. Hat ja auch seine Richtigkeit, muss ja gemacht werden. Hab währenddessen diverse Fragen ihrerseits beantwortet (“Nein, ich fahr nicht in den Urlaub, ich hol immer soviel, aber das halt nur ca. alle 4 Monate und nicht 12mal im Jahr”). Bevor sie mit der Abrechung anfing, sagte ich ihr noch, dass ich eine Quittung mit meinem draufgedruckten Namen drauf bräuchte (WICHTIG!!! Gabs schon mal Ärger mit meiner Krankenkasse).
Allerdings nicht laut genug. Schon schrieb sie den Namen mit Kugelschreiber auf die Quittung. Scheiße! Sagte ich ihr auch. Aber zu spät. Ganz verwirrt schaute sie mich an, als ich ihr erzählte, dass das u.U. zu Problemen führen kann. – Auch, wenn Name und Stempel mit Datum drauf ist? – Ja, hatten wir alles schon. – Das kann sie jetzt aber nicht mehr ändern, die Quittung kann sie nicht nochmal rauslassen.
Schönen Dank auch. Aber fehlende Ausrufezeichen bemängeln. Da bleibt mir nur noch in meiner unverbesserlich optimistischen Art zu hoffen, dass die Krankenkasse das so auch akzeptiert (Daumen drücken).
Hab dann das ganze Zeug in zwei Baumwolltaschen verpackt bekommen (Baumwolle, mit langen Henkeln, kein Papier!!) und ne Pfirsichwaschlotion dazu. Die kriegt dann wieder meine Mum, ich mag sowas net
Trotzdem geh ich nächstes mal wieder dahin. Freundliche fröhliche Menschen in einer mürrischen Stadt zu finden ist einfach zu selten, als dass ich das aufs Spiel setzen möchte.
Juli 31st, 2008
Als ich vom Einkaufen zurückkam, drang mir schon fröhliches Kindergeschrei an die Ohren. Ich wohne neben einer Grundschule, ist also so selten nicht (Kindergeschrei mein ich)… Klang aber doch ausgelassener als sonst.
Der Grund dafür wurde mir in der nächsten Sekunde klar (als mein Fahrrad dran vorbei rollte). Irgendwer hatte einen Wasserschlauch angeschlossen und ein Kind spritzte damit alle anderen Kinder an (meist in normaler Kleidung)… und ich kannte nur einen Gedanken:
Will auch!!!
Dann schob ich mein Fahrrad auf den Hof, schnappte mir meinen Einkauf und stiefelte die Treppen zur Wohnung hinauf. Jetzt sitze ich hier wieder vor Coase-Theorem und Marktversagen und freu mich schon drauf, wenn in 25h alles rum ist (ich wollt an dieser Stelle noch schnell ankündigen, weil ich nämlich hellseherische Fähigkeiten besitze, dass es morgen um ca. 16.35 Uhr, wenn meine Klausur vorbei ist, wieder regnen wird).
Danke fürs Zuhören!
Juni 1st, 2008
Ehrlich, ich hab gerade völlig spontan eine Fahrradtour gemacht. Normalerweise mag ich es nicht ganz allein ohne Ziel rumzukurven, aber heute hatte ich irgendwie ganz spontan Hummeln im Hintern.
Also rauf aufs Fahrrad und los. Einmal in die Stadt und über Umwege zurück. 17,5km. Sollt ich vielleicht jeden Tag machen, ich hab am Mittwoch ein Stressecho bei meiner Kardiologin anstehen (Aufm Fahrrad strampeln, immer schwieriger und währenddessen wird im Ultraschall geschaut ob mein Herz gut durchblutet ist.
Wenn das gut aussieht krieg ich von meiner Kardiologin das OK mich in einem Fitnessstudio anzumelden. Yipiiiieh.
Also drückt mir die Daumen.
Mai 30th, 2008
Ich habe geschrieben, dass ich herztransplantiert bin, seit bald 15 Jahren. Die Tatsache bringt es mit sich, dass ich eine relativ große Narbe habe (mittig unterm Hals, bis ungefähr da, wo die Rippen aufhören). Außerdem aufgrund der Vorgeschichte links und rechts jeweils eine Herzschrittmachernarbe.
Ich bemerk die nicht mehr. 14 Jahre und ein paar Monate damit Leben und es gehört zu dir wie die etwas zu lange Nase oder der hässliche große Zeh.
Und ich will nicht mal behaupten, dass ich das als etwas negatives empfinde. Diese 3 Narben machen mich einzigartig und irgendwie zu dem Menschen, der ich bin. Deswegen versteck ich die auch nicht. Ich trag sie auch nicht eytra offen, rahme sie ein oder weise mit Neonblinklichtern darauf hin. Man sieht sie oder nicht, das ist doch egal.
Warum ich das erzähle?? Weil ich heute etwas erlebt habe, was ich toll finde und weitergeben möchte.
Ich weiß nicht ob ihr es bemerkt habt, aber heute ist es warm. Zumindest in Augsburg sehr warm. Deswegen hab ich eines meiner luftigsten T-Shirts an und das hat einen tiefen V-Ausschnitt. Damit will ich andeuten, dass man die Narbe sehen kann, gut sehen kann.
Die Suche nach einem Geschenk für eine Freundin führte mich und Mo nebenbei auch in ein Reformhaus. Und weil Mo Zöliakie hat, blieben wir eine Weile, durchstöberten dieses und jenes Angebot und kamen irgendwann auch mit der Verkäuferin ins Gespräch. Ziemlich bald fragte sie mich dann: “Sie haben aber auch schon eine große Operation hinter sich, oder?”, woraufhin ich ihr dann erzählte, woher die große Narbe kommt und als sie nochmal nachfragte auch, woher die kleinen kommen.
Große Preisfrage: Warum ist mir das einen so langen Blogeintrag wert?
Weil mir das in den 14 Jahren und 9 Monaten so selten passiert ist, dass ich mich noch nichtmal daran erinnern kann, ob überhaupt schonmal jemand gefragt hat. Blöde Blicke, glotzen (und nicht in den Ausschnitt, das kann ich unterscheiden) und Ungläubigkeit. Das liest man oft in den Gesichtern, aber auch das sehe ich nicht mehr.
Es ist Menschen, die so etwas sichtbares mit sich herumtragen sehr viel lieber, wenn auch mal nachgefragt wird anstatt nur zu gucken. Man kann erklären, warum man so etwas hat. Woher man es hat. Dass es nichts schlimmes ist.
Wer nur angeguckt wird, der fühlt sich vorverurteilt. Das ist kein schönes Gefühl. Ich hab eine türkische Freundin. Die kann fuchsteufelswild werden, wenn man automatisch davon ausgeht, dass sie nur weil sie Türkin ist, gleich zur schlimmsten Sorte gehört.
Viel anders ist es auch nicht, wenn man nur angeglotzt wird. Man kann sich ein dickes Fell zulegen und es ignorieren. Dann stört es einen auch nicht mehr. Schönes ist es trotzdem, wenn man es erklären kann.
Deswegen. bitte, wenn ihr sowas seht. Fragt ruhig nach. Klar gibt es immer auch Personen, die nicht drüber reden wollen, gibt es immer. Die Mehrheit aber findet es toll. So wie ich das heute von Verkäuferin toll und mutig fand.